Von Bakelit bis All Electric Society: wie alles begann

Das hat Tradition: die Verbindung von Kunststoff und Elektrizität. So begann die „Energiewende“ Anfang des 20. Jahrhunderts. Für die neue Energiequelle, den elektrischen Strom, benötigte man einen leichten und gut in Form zu bringenden Isolierwerkstoff. Da kam Bakelit, 1907 zum Patent angemeldet, gerade recht. Der erste „echte“ und industriell zu verarbeitende Kunststoff erleichterte die Elektrifizierung ganz erheblich.

Heute kennt man Lichtschalter, Küchenmaschinen und Telefone aus Bakelit nur als Museumsstücke. Aber moderne Kunststoffe sind überall dort, wo Strom verteilt, geschaltet und verbraucht wird. Dieser Markt wächst seit Jahrzehnten, und die Verbindung von Kunststoff und Elektrizität hat große Zukunft. Schließlich sind wir auf dem Weg in die „All Electric Society“, die den Strom möglichst „grün“, d.h. nicht aus fossilen Quellen erzeugt.

Die „Energiewende 2.0“ betrifft auch die Verbindung von Strom und Kunststoff in vielen Anwendungsbereichen – in Trafostationen und Schaltschränken, in der Gebäudetechnik und Ladestationen, in Windkraftanlagen, Solarpanels und Ladestationen. Sie betrifft auch die Autos, die zum „Software-defined vehicle“ (SDV) mit vielen Steuergeräten und Sensoren werden. Deren Gehäuse werden aus Kunststoff gefertigt, ebenso wie die Ummantelungen der stromführenden Leitungen und auch die Verbindungselemente.

Kunststoff als Schlüsselwerkstoff der Energiewende 2.0

Auf der KPA in Ulm wird der Besucher viele kompetente Kunststoffverarbeiter kennenlernen, die in die Elektroindustrie hineinliefern und z.B. besondere Kompetenz beim Einlegen von Kupferleitern und elektrischen Kontaktelementen in Spritzgießwerkzeuge nachweisen können. Zu den Eigenschaften dieser stromisolierenden Komponenten gehören Durchschlagsicherheit, Flammschutz und Wärmebeständigkeit. Hier kommen Kunststoffe wie PA, PC und PEEK zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich Hochvolt-Komponenten ebenso effizient realisieren wie miniaturisierte Bauelemente der Halbleitertechnik.

Gefragt sind aber auch leitfähige Kunststoffe – dieser Werkstoff ist eben universell, nicht nur was die Formgebung betrifft. Sie kommen u.a. zur Anwendung, wenn elektrostatische Aufladung verhindert bzw. abgeleitet werden muss. Das betrifft u.a. Erdungskomponenten, aber auch die Trays in der Elektronikfertigung.

Kompetente Partner für die Elektroindustrie: Kunststoffverarbeiter auf der KPA

Kunststoffverarbeiter, die sowohl isolierende als auch leitende Bauteile herstellen, präsentieren auf der KPA ihr Programm und ihre Innovationen. Viele von ihnen – zum Beispiel 2E Mechatronic, Kerling, Michael Kunststofftechnik, Simplastic und Weiss Kunststoffverarbeitung – haben schon Kompetenzen in diesem Bereich vorzuzeigen und stehen damit (im übertragenen Sinn) vielleicht weniger unter Strom als solche, die den anspruchsvollen Wachstumsmarkt der „All Electric Society“ noch erobern möchten. Aber auch diese zeigen ihr Know-how auf der KPA und sind bereit für Diskussionen über aktuelle und zukünftige Trends – zum Beispiel über die Nutzung von Rezyklaten und bio-basierten Kunststoffen in diesem sensiblen Anwendungsbereich.

Somit gibt es für Konstrukteure und Einkäufer in produzierenden Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie gute Gründe, die KPA – im übertragenen Wortsinn – mit Spannung zu erwarten.