Gesundheit! Kunststoffe für die Medizintechnik

Von der Einwegverpackung für sterile Instrumente bis zum Hüftgelenksimplantat: Das Einsatzspektrum von Kunststoffen in der Medizintechnik ist groß und die Ansprüche sind hoch, auch bei vermeintlich einfachen Produkten wie Verpackungen.

Deshalb sind die Auftragsfertiger in Deutschland, die jährlich mehrere 100.000 Tonnen Kunststoffe – zumeist im Spritzguss – zu Medizinprodukten verarbeiten, oft hoch spezialisiert. Sie beherrschen Themen wie Hygiene und Sterilisierbarkeit, und sie orientieren sich an branchenspezifischen Standards wie der Medizintechnik-Richtlinie EN 13849 (MDR) und VDI 2017 („Medical Grade Plastics“). Und sie fertigen zum Beispiel Blutbeutel, Blisterverpackungen, Katheter, Tropfflaschen, Beatmungsschläuche, Gehäuse für Insulin-Pens, Drainage-Stents und Komponenten für Implantate.

Schon diese keinesfalls vollständige Übersicht zeigt: Obwohl der Markt der Medizintechnik mit zwei bis drei Prozent (bezogen auf die gesamte Kunststoffverarbeitung) eher klein ist, ist er doch sehr ausdifferenziert. Genauso vielfältig sind die Eigenschaften und Anforderungen: Kunststoffe können zu komplexen Geometrien verarbeitet werden, sie sind flexibel, CT- und MRT-fähig, korrosionsbeständig und biokompatibel. 

Medizintechnik-Kompetenz auf der KPA Ulm

Auf der KPA in Ulm (25.–26. Februar 2026) werden sich die Hersteller von Medizinprodukten über diesen spannenden und innovativen Zuliefermarkt informieren können. Unter den Ausstellern sind branchenbekannte Kunststoffverarbeiter wie Funk 3D (Entwicklungspartner für Medizintechnikprodukte), Fried Kunststoffe (Gehäuse-Komponenten für Grossgeräte wie CT und MRT), Kunststoff Christel (Reinraumfertigung für die Medizintechnik), KVH Hartung (Vakuum-Tiefziehen und –Thermoformen für Gerätegehäuse) und Weiss Kunststoffverarbeitung (Mehrwegverpackungen für den OP).

Neben den Verarbeitern dürften auch die Materialhersteller und -distributoren auf der KPA interessante Gesprächspartner für Besucher aus der Medizintechnik sein. Sie stellen hochbelastbare biokompatible Polymere vor, die sich z.B. für die Produktion von Implantaten eignen. Abbaubare Kunststoffe können gezielt Wirkstoffe im Körper freisetzen. Und Kunststoff-Filamente für den 3D-Druck erlauben die Produktion von individuellen Prothesen.

Nachhaltigkeit und Wissenstransfer im Fokus

Zu den Themen, die Medizintechnik-Experten sicherlich auf der Messe diskutieren werden, gehört die Nachhaltigkeit. Viele Krankenhäuser erfassen bereits ihre CO₂-Bilanz, an der Zuliefer- und Zukaufkomponenten („Scope 3“) den grössten Anteil haben. In diesem Zusammenhang erhalten auch die Themen „Einweg oder Mehrweg“ und „Substitution von Glas oder Metall“ eine zusätzliche Komponente.

Hierzu zwei konkrete Tipps: Am zweiten Tag der KPA findet um 11.20 Uhr im Rahmenprogramm ein Vortrag zum Thema „Frühzeitiges Abschätzen des ´Carbon Footprint´ von Kunststoffprodukten“ statt. Und die Keynote des gesamten Vortragsprogramms, am ersten Messetag um 10.00 Uhr „Spritzgiessen 2030 – Materialien, Verfahren und Herausforderungen“ wird auch für Hersteller und Anwender von Spritzgussprodukten für die Medizintechnik neue Erkenntnisse bieten.

All die genannten Themen und Anwendungen werden auf der KPA in Ulm adressiert. Deshalb ist die Messe der „place to be“ für Kunststoff-Experten in der Medizintechnik.