Schon die Frage klingt provokant. In Deutschland wurden 2019 rund 4,67 Mio. Autos produziert, 2025 noch 4,15 Mio. – ein Minus von mehr als zehn Prozent. Die Gründe sind vielfältig: Zölle, Wettbewerbsdruck von ausländischen Marken, Kaufzurückhaltung durch schlechtere Wirtschaftslage und sehr hohe Autopreise, Unsicherheit über die Zukunft des Verbrenners…

Der Innenraum wird aufgewertet

Ein Zukunftsmarkt sieht anders aus – oder? Aus Sicht der Kunststoffindustrie stellt sich die Lage anders dar. Denn der Kfz-Innenraum, der nun einmal größtenteils aus Kunststoff besteht, hat sich in den letzten Jahren stark verändert, und das gilt nicht nur für das Design und die Funktionen, sondern auch für den Stellenwert, den das Interieur bei der Kaufentscheidung hat. Man spricht inzwischen vom dritten Lebensraum: Fahrer und Passagiere möchten Behaglichkeit empfinden. Und der Autohersteller hat das Ziel, „Wow-Effekte“ zu vermitteln – zum Beispiel mit smarten Oberflächen und angenehmer Haptik. Ambient Light mit hinterleuchteten Kunststoffelementen ist ein weiteres Merkmal, das gut ankommt. Ein anderes nennt sich Shy Tech: Bedienelemente, die kaum sichtbar in ihre (Kunststoff-)Umgebung integriert sind.

Nachhaltige Werkstoffe (Renault)
Nachhaltige Werkstoffe (Renault)

Hartplastik war gestern

Plakativ könnte man sagen: Kunststoff macht den Unterschied oder kann den Unterschied machen, wenn der Autokäufer eine Entscheidung trifft. Hartplastik war jedenfalls gestern. Heute zählen hochwertig anmutende Werkstoffe, schicke Designs und neue Funktionen. Dazu gehört auch die Variabilität und das nochmal mehr, wenn sich echtes (teil-)autonomes Fahren durchsetzen wird und aus dem Cockpit ein Ruhe- oder Arbeitsplatz werden kann.

Wachsender Markt mit großem Innovationspotenzial

Was bedeutet das für innovative Kunststoffverarbeiter, die bislang noch nicht in der Automobilindustrie tätig sind? Es könnte sich lohnen, einen Blick auf diesen Markt zu werfen und zu schauen, ob sie hier Ideen einbringen können. Eine (sehr lesenswerte) Marktanalyse der Initiative „Interior-Hub Automotive“ (InSuM) zum Thema „Interieur der Zukunft“ kommt zu dem Ergebnis, dass es sich um einen wachsenden Markt mit großem Innovationspotenzial handelt, und nennt als Komponenten- und Werkstoffbeispiele hinterleuchtete Türverkleidungen, Kunststoff-Rezyklate und Designelemente mit Metall-Optik.

Eben solche Komponenten können KPA-Messebesucher aus der Automobilindustrie „live“ erleben und mit den Herstellern ins Gespräch kommen. Das sind viele, und sie haben sehr verschiedene Kompetenzen. Einige Beispiele: Zu den Kernkompetenzen von Fuchs gehören GFK-Verarbeitung, 2K-Spritzguss und Hybridkonstruktionen aus Kunststoff und Metall. Varioplast stellt Displays und Frames für den Kfz-Innenraum her, Gentner diverse Sichtteile. Welp produziert Interior-Teile im Thermoform-Verfahren, Handtmann fertigt unter anderen große Dachrahmen fürs Interieur. Und Zeibina beherrscht die Produktion und Montage von Komplettmodulen wie Lenkstockschaltern und Sichtteilen wie Zierblenden.

Im Trend: Rezyklate und bio-basierte Werkstoffe

Interieur mit Bambus (FIAT)
Interieur mit Bambus (FIAT)

Für die Automotive-Spezialisten dürften auch die Anbieter und Verarbeiter von Rezyklaten zu hochwertigen Interior-Komponenten interessante Gesprächspartner sein. Die Altautoverordnung erhöht den Druck auf die Wiederverwendung von Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft

Technische Komponenten wie Pumpengehäuse, Kettenspanner und Sensorgehäuse werden u. a. Baumgarten, Christel, Gentner und Weiss auf der KPA vorstellen. Und natürlich sind auch Hersteller von Hightech-Kunststoffkomponenten für das Exterieur vertreten – etwa Zeibina mit Reflektoren und Bauteilen für Frontscheinwerfer.

Erfahren Sie mehr im KPA-Vortragsprogramm

Bei der Planung des Messebesuchs ist ein Blick auf das begleitende Vortragsprogramm der KPA und der parallel stattfinden KUTENO unbedingt empfehlenswert. Für Automotive- und insbesondere Interior-Experten könnten u. a. die Vorträge über Plasmabehandlung (Dienstag, 13:00 Uhr), Neue Funktionen durch Lasertexturierung (z. B. Ultra/Low Gloss und Durchleuchtung; Dienstag 13:30 Uhr) und Oberflächen mit Velvet-Touch-Haptik (Dienstag 14:00 Uhr) interessant sein.