Ein Konzept für einen vollständig wiederverwertbaren und durchaus ästhetischen (Kunststoff-)Schuh im Sinne der regionalen Kreislaufwirtschaft, Werkstoffe für die Möbel- und Modeindustrie aus Lignin statt aus fossilen Kunststoffen, energiearmes Recycling von Polyesterprodukten mit Enzymen – solche Beispiele zeigen, welche neuen Ideen sich mit Kunststoff realisieren lassen und wie man den Kreislauf der Kunststoff-Materialwirtschaft schließt. Vorgestellt werden sie und auch andere am 16. September 2026 von 9 bis 12 Uhr auf der KPA in Leipzig/Schkeuditz. Dann findet das Design-Café statt, das unter dem Motto „Design und Polymer“ steht.
Austausch von Industrie-Designern und Kunststoff-Experten
Design ist hier nicht im Sinne der Formgebung gemeint, sondern ganz grundsätzlich als Planen, Konstruieren und Fertigen von innovativen Produkten aus Kunststoff sowie als Mitdenken des Nachhaltigkeits-Aspektes von Anfang an. Und das absolut praxisorientiert: Zehn Industrie-Designer – ganz junge ebenso wie renommierte – sowie Experten aus Studios und Hochschulen stellen in einem offenen Austauschformat an mehreren Tischen ausgewählte Ideen und Produkte aus Kunststoff vor. Und sie möchten sich mit den Besuchern, die jede Menge Praxiserfahrung in der Kunststoffverarbeitung mitbringen, gern über Designfragen, Materialkonzepte, Produktideen und werkstoffspezifische Entwicklungsansätze austauschen.
Deshalb sind die Messebesucher eingeladen, auf einen Kaffee im Messe-Foyer vorbeizukommen und die „Innovationen in Kunststoff“ live zu begutachten.
Die Kreislaufwirtschaft von Beginn an mitdenken
Warum sollten auch Besucher, die ausschließlich kundenspezifische Produkte herstellen – und das trifft ja auf die meisten Spritzgießer zu – einen „Café-Besuch“ einplanen? Schließlich werden sie ja kaum Gelegenheit haben, eigenständig ein ganz neues und möglichst innovatives (Kunststoff-)Produkt zur Serienreife zu entwickeln.
Es gibt mehrere Gründe. Einmal gilt der Grundsatz: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ Im Design-Café werden die Besucher neue und ganz andere Perspektiven kennenlernen, die Aufgabe „Konstruieren in Kunststoff“ anzugehen – eher vom Design-Ansatz als von der Fertigungspraxis ausgehend, weniger pragmatisch, vielleicht auch mal provokativ oder verspielt. Oder vom Ende her denkend, um die Kreislaufwirtschaft in die bisher linear ablaufenden Prozesse einzubringen.
Zukunftsweisende Ideen mit praktischem Nutzwert
Der Nutzen ist aber auch ganz praktisch: Die Besucher können prüfen, ob die neuen Produkte, Werkstoffe oder Design-Merkmale, die sie im Design-Café sehen und anfassen, als Anregung für das eigene Unternehmen oder dessen Produktentwickler und Konstrukteure dienen können. So entsteht Inspiration und Zusammenarbeit zwischen Design und Kunststoffverarbeitung.
Organisiert wird das neue Format von dem Polykum e.V. (der „Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland) mit Sitz in Merseburg in Zusammenarbeit mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Weißensee Kunsthochschule Berlin und dem Verband Deutscher Industrie Designer – VDID. Damit ist Design-Kompetenz mal drei oder besser gesagt mal zehn vertreten und die Besucher können nicht nur innovative, sondern auch industriegerechte und realisierbare „Ideen in Kunststoff“ erwarten. Und sie werden an Praxisbeispielen erfahren, dass gutes und innovatives Design nicht nur eine ästhetische und vielleicht noch ergonomische Komponente hat, sondern als Impulsgeber für Innovation, Funktionalität, Nachhaltigkeit und Marktfähigkeit verstanden werden sollte.
Drei Empfehlungen für ein Foyer Gespräch beim Kaffee
Zum Schluss die „Auflösung“ für die drei eingangs genannten Beispiele: Den vollständig recyclebaren Kunststoffschuh hat Carla Wirths entwickelt. Mit Lignin als alternativem Werkstoff für die Produktion von Möbeln und Textilien beschäftigt sich das Studio Circology (Esther Kaya Stögerer und Jannis Kempkens), und das (gut funktionierende) Recycling von Polyesterprodukten mit Enzymen ist ein Projekt von Sophia Reissenweber. Die genannten Designer (und noch viele mehr) stehen im Design-Café für Gespräche zur Verfügung.