Ja, das können sie. Sonst würden nicht allein in Deutschland jedes Jahr mehrere 100.000 Tonnen Kunststoffe zu Produkten für die Medizintechnik verarbeitet. Das Spektrum reicht von der Einwegverpackung für sterile Instrumente über Spritzen oder Gehäuse von Medizingeräten bis zu Komponenten, die in den Körper implantiert werden – in die Blutbahn, d. h. als Stent, oder beispielsweise in die Hüfte. Das Einsatzspektrum von Kunststoffen in der Medizintechnik ist groß und die Ansprüche sind hoch, auch bei vermeintlich einfachen Produkten wie Verpackungen.
Ein anspruchsvoller Anwendungsbereich für Kunststoffe
In vielen der anspruchsvollen, körpernahen Anwendungen, herrscht Wettbewerb der Werkstoffe: Es gibt Lösungen aus Kunststoffen, Keramik und/oder Metall. Kunststoff kann hier u. a. durch sehr gute Biokompatibilität, flexible Formgebung, CT- und MRT-Fähigkeit und gute Verarbeitbarkeit punkten.
Die Kunststoffverarbeiter, die für die Medizintechnik produzieren, sind oft hoch spezialisiert. Sie beherrschen Themen wie Hygiene und Sterilisierbarkeit und orientieren sich an branchenspezifischen Standards wie der Medizintechnik-Richtlinie EN 13849 (MDR) und VDI 2017 („Medical Grade Plastics“). Zu den Produkten, die sie fertigen, gehören unter anderem Blutbeutel, Blisterverpackungen, Katheter, Tropfflaschen, Beatmungsschläuche, Gehäuse für Insulin-Pens, Drainage-Stents und Komponenten für Implantate.
Vielfalt der Medizintechnik-Komponenten aus Kunststoff
Auf der ersten KPA in Leipzig/Schkeuditz (16. bis 17. September 2026) werden sich die Hersteller von Medizinprodukten über diesen spannenden und innovativen Zuliefermarkt informieren können – in ganz unterschiedlichen Facetten.
Einige Beispiele: Apra Plast fertigt kundenspezifische Gehäuse von Medizingeräten und verwirklicht dabei auch außergewöhnliche Wünsche u. a. bei der Oberflächenveredelung durch Lackieren und Bedrucken. Werner Langer beherrscht das Anforderungsprofil der Medizintechnik und fertigt diverse Qualitätsprodukte unter anderem für den Hospital- und Dentalbereich – zum Beispiel Speichelsauger mit integriertem Spiegel für einen namhaften internationalen Hersteller. Und der im Erzgebirge ansässige Kunststoffverarbeiter Hugo Stiehl hat mit Anmed einen eigenen Geschäftsbereich mit dem Zielmarkt „Medizin“ gegründet, der nicht nur kundenspezifische, sondern auch eigene Spritzgussprodukte fertigt – zum Beispiel diverse Medikamentenboxen, die per Licht- oder Tonsignal und parallel per App an die richtige Zeit fürs Einnehmen der Medikamente erinnern.
Die genannten Aussteller fertigen nicht nur, sie bieten ihren Kunden auch Unterstützung bei der „kunststoffgerechten Konstruktion“ bzw. der konstruktiven Optimierung. Auch deshalb kann ein Gespräch lohnend sein.
Neben den Verarbeitern dürften auch die zahlreichen Materialhersteller und –distributoren auf der KPA Leipzig/Schkeuditz interessante Gesprächspartner für Besucher aus der Medizintechnik sein. Sie stellen etwa hochbelastbare biokompatible Polymere vor, die sich z. B. für die Produktion von Implantaten eignen. Abbaubare Kunststoffe können gezielt Wirkstoffe im Körper freisetzen. Und Kunststoff-Filamente für den 3D-Druck erlauben die Produktion von individuellen Orthesen.
Somit ist die nächste KPA – die zugleich die erste ist, die im Raum Leipzig stattfindet – der „place to be“ für Kunststoff-Experten in der Medizintechnik. Die Messe zeigt die Kunststoff-Kompetenz von Ausstellern, die mit ihren Produkten einen Beitrag zur Gesundheit leisten – auf ganz verschiedene Arten und Weisen.