Das Szenario weckt Erinnerung: Eine wichtige internationale Schifffahrtsverbindung ist blockiert. Im März 2021 war es das Containerschiff „Ever Given“, das sich im Suezkanal quer stellte und auf Grund lief. Heute ist es die Straße von Hormus, durch die konfliktbedingt keine Öltanker fahren können – und zwar länger als die sechs Tage, die der Suezkanal gesperrt war.
Es droht Materialmangel
Die europäischen Kunststoffhersteller und -verarbeiter und auch die Abnehmer von Kunststoffprodukten spüren die Folgen des Iran-Konfliktes bereits – an steigenden Kosten, teils auch an sich abzeichnender Materialknappheit. Die Situation ist, wie man so schön sagt, „volatil“: In einer Umfrage des ifo Institutes vom Juni 2026 berichteten 11,3% der befragten Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren von Materialmangel, im Mai waren es mit 23,7% noch mehr als doppelt so viele. In der chemischen Industrie, die ja ebenso auf Erdöl angewiesen ist, berichten (Stand 7. Juli 2026) schon 29,5% der vom ifo Institut befragten Unternehmen von Materialengpässen.
Höhere Preise, mögliche Knappheit – was tun?
Wirklich knapp ist der Kunststoff für die Mehrheit der Verarbeiter somit noch nicht. Zudem können sie die Mehrkosten oft durch Materialpreisklauseln kompensieren, auch wenn sie ihre Kunden damit nicht glücklich machen. Dennoch besteht die Notwendigkeit, sich vorzubereiten auf mögliche „Mangelwirtschaft.“
Eine – recht einfach umzusetzende – Strategie kann das Erschließen neuer Materiallieferanten sein. Auch diese sind letztlich vom Erdöl abhängig, aber vielleicht haben sie bessere Zugänge zu dessen (im wahrsten Sinne des Wortes) Quellen.
Neue Quellen erschließen
Die KPA in Leipzig/Schkeuditz wird Gelegenheit bietet, alternative Lieferanten für Rohmaterialien anzusprechen. Einige Beispiele: Als Distributor hochwertiger technischer Kunststoffe arbeitet K.D. Feddersen mit international führenden Herstellern sowohl von konventionellen Kunststoffen als auch von Compounds und Rezyklaten zusammen. Bayka Color modifiziert PVC- und PE-Compounds und färbt sie ein, und Constab entwickelt seit mehr als 55 Jahren kundenspezifische Masterbatches und Compounds.
Neue Werkstoffe – zum Beispiel bio-basiert?
Bei den Gesprächen mit Kunststofflieferanten kann der Messebesucher auch die Gelegenheit nutzen, keinen Eins-zu-eins-Austausch des Kunststoffs – vielleicht mit verbesserter Versorgungssicherheit – anzubahnen, sondern auch neue Werkstoffe und Formulierungen zu verwenden. Vielleicht bieten sich bio-basierte Materialien an. Die Frage kann auf hohem Niveau diskutiert werden, denn auf der KPA stellen echte Experten auf diesem Gebiet aus. Exipnos hat selbst entwickelte Compounds auf Basis bio-basierter Kunststoffe im Programm. Auch ein Gespräch auf den Ständen von Dolder-Bigler, Grafe, Rudi Göbel und Tekuma kann neue Erkenntnisse zum Thema bio-basierte Kunststoffe erbringen.
Rezyklate: Einstieg in die Kreislaufwirtschaft
Ebenso aktuell ist die Frage, ob Rezyklate eine mögliche Alternative sind – und welche Vorteile ihr Einsatz bringt. Allerdings ist das Thema Werkstoffknappheit hier noch akuter als bei neuen Kunststoffen und dieses Thema könnte sich durch die neue Altautoverordnung noch verstärken, die Quoten für die Verwendung von recycelten Kunststoffen festschreibt. Schon jetzt sind Kreislaufmaterialien begehrt, und die zur Verfügung stehenden Mengen lassen sich nicht beliebig skalieren.
Die oben genannten Rohmateriallieferanten haben alle auch rezyklierte Kunststoffe im Programm. Hinzu kommen mit MKV und WIS Thüringen zwei Aussteller, die sich ganz auf Rezyklate konzentrieren.
Fazit: Es bleibt spannend
Der Überblick zeigt: Es kann sinnvoll sein, die Materialversorgung als dynamischen Prozess anzusehen, dauerhafte Verfügbarkeit zu günstigen Kosten kann nicht vorausgesetzt werden. Die Verarbeiter sollten beweglich sein und einen „Plan B“ im Kopf haben. Messen wie die KPA können hier Wege aufzeigen.