Das Spektrum reicht von Einweg-Trays für Lebensmittel über Komponenten für das Automobil-Interieur (z.B. Konsolen) bis zu großformatigen Gehäusen z.B. für Medizingeräte: Das Tiefziehen oder Thermoformen ist ein ausgesprochen vielseitiges Verfahren der Kunststoffverarbeitung. Auf der KPA zeigen leistungsfähige Anbieter, was möglich ist.

Einfaches Prinzip - viele Möglichkeiten

Die Vielseitigkeit des Thermoformens hat seinen Grund auch darin, dass es sich um ein ganz einfaches Verfahren handelt: Eine Folie oder Platte wird bis zur thermischen Verformbarkeit erwärmt, über ein offenes Werkzeug gelegt und dann per Vakuum (teilweise unterstützt durch Druckluft) so ans Werkzeug gesaugt, dass ein Formteil entsteht.

Dieses Verfahren lässt sich mit zahlreichen Kunststoffen – ABS, Polystryrol, PMMA, PP… und auch mit Rezyklaten sowie mit Mehrschichtplatten aus mehreren Materialien anwenden. Entsprechend vielfältig sind die Materialeigenschaften. Bei Primärverpackungen wie Trays werden lebensmittelverträgliche Kunststoffe verwendet. Für die Produktion von Automotive-Teilen und Haushaltgegenständen sind schlagzähe und formbeständige Materialien wie ABS oder – wenn transparente Teile gefertigt werden – PMMA eine gute Wahl.

Interessant auch für kleinere Stückzahlen

Aus der einfachen Form des Werkzeugs, das letztlich „nur“ die Kontur des zu produzierenden Bauteils abbilden muss, und dem ebenfalls einfachen Formgebungsprozess durch Ansaugen der erhitzten Kunststoffplatte oder –folie ergibt sich ein weiterer entscheidender Verfahrensvorteil: Die Stückzahl ist sehr variabel. Auch wenige hundert Bauteile können wirtschaftlich per Tiefziehen produziert werden, ebenso aber auch – wie das Beispiel der Verpackungs-Trays zeigt – konstant hohe Mengen. Damit positioniert sich das Thermoformen, was die Mengen betrifft, zwischen den additiven Verfahren (3D-Druck) und dem Spritzgießen

Erst informieren, dann umsteigen

Was gibt es Neues beim Thermoformen und wo bieten sich Ansätze, auf dieses ebenso ausgereifte wie wirtschaftliche Verfahren zu setzen? Pauschal lässt sich das nicht sagen, eben weil das Verfahren so vielfältig ist. Jedenfalls haben Weiterentwicklungen in den letzten Jahren dazu geführt, dass das Thermoformen stärkeres Potenzial zur Substitution anderer Verarbeitungsverfahren hat.

Im Vergleich zum Spritzguss sind die Werkzeugkosten und die Entwicklungszeiten geringer, ebenso der „Break even“, was die Stückzahlen betrifft. Bei großflächigen Bauteilen ist das Thermoformen schneller wettbewerbsfähig, weil die Werkzeug- und Prozesskosten beim Spritzguss mit der Bauteilgröße stark ansteigen. In Konkurrenz zur manuell geprägten GFK-Verarbeitung ist der Automationsgrad und damit die Reproduzierbarkeit höher. Außerdem lassen sich höhere Anforderungen an die Optik und Oberflächenqualität erreichen. Und gegenüber dem 3D-Druck sind die Kosten erheblich geringer, sobald es sich um kleine oder mittlere Serien handelt und nicht um Protoypen und Unikate.

Interessant ist das Verfahren auch für die Metallsubstitution, zum Beispiel im Gehäusebau für Maschinen und Geräte. Hier punktet das Tiefziehen durch geringere Kosten, Leichtbau und größere Freiheiten bei der dreidimensionalen Formgebung.

Zudem ist – und das gilt für alle Anwendungsbereiche – der Nachbearbeitungsaufwand gering. In der Regel genügt das (meist CNC-gesteuerte) Beschneiden der Konturen. Der Werkzeugbau nimmt nur wenig Zeit in Anspruch (typisch sind zwei Wochen bei kleineren Serien). Und mit dem Twin-Sheet-Verfahren lassen sich auch Hohlkörper wirtschaftlich fertigen – als Alternative zum Blas- und Rotationsformen.

Gesucht – gefunden: Partner für ein Tiefzieh-Projekt

Wenn die Grundsatzentscheidung zur Erprobung bzw. Nutzung des Thermoformings bei einem konkreten Projekt gefallen ist, folgt die Suche nach einem leistungsfähigen Partner für die Umsetzung. Da kommt die KPA in Bad Salzuflen (9.-11.Juni 2026) gerade recht. Auf der Messe präsentieren sich Unternehmen, die jahrzehntelange Erfahrung im Thermoformen nachweisen können – zum Beispiel Burg, BWF Thermoforms, FM Kunststofftechnik, Formtec und Hesse Thermoformung. Alle werden auf der Messe auch Beispiele aus ihrem Teilefertigungsspektrum zeigen.